Ein etwas anderer Weg nach Amerika

 

Wie viele von euch wissen, erforsche ich seit 10 Jahren Auswanderer, insbesondere Schweizer und Deutsche, die nach Amerika ausgewandert sind. Darunter auch ein Wolfgang Iten aus Unterägeri im Kanton Zug in der Schweiz. In Kalifornien konnte ich viele Spuren von ihm, seiner Frau und seinen Söhnen verfolgen. Doch bisher fehlte noch sein Eintrag in der Passagierliste. Es war anzunehmen, dass er, wie alle anderen auch, die direkte Route über den Atlantik genommen hatte. Doch in den Passagierlisten mit Ankunft in New York oder anderen Häfen der US-Ostküste taucht er nicht auf. Nun hat sich herausgestellt, dass dieser Wolfgang Iten einen ganz anderen Weg nach Amerika zurückgelegt hat. Zunächst reiste er wohl auf dem Dampfer Weimar von Bremen nach Sydney, Australien, wo er im August 1902 ankam. Später muss er von Australien nach Neuseeland weitergereist sein, denn er hielt sich in Ohakune auf der Nordinsel auf. Wann genau er nach Ohakune kam und wie lange er dort lebte ist noch unklar. Sicher ist hingegen, dass zu dieser Zeit bei Ohakune eine Eisenbahnlinie mit einem Viadukt gebaut wurde und er wohl schon damals als Schmied tätig war.

 

Im Juli 1910 reiste Wolfgang Iten dann von Wellington via Papeete/Tahiti nach San Francisco. Die Fahrt von Wellington (08. Juli 1910) nach Papeete/Tahiti erfolgte auf dem Schiff Mokoia, die Reise von Tahiti (19. Juli 1910) nach San Francisco (31. Juli 1910) auf dem Schiff Mariposa. Informationen über diese Reiseroute und die beiden Schiffe findet man sowohl in kalifornischen als auch in australischen und neuseeländischen Zeitungen. Das Schiff Mokoia wurde damals neu auf dieser Route eingesetzt, während das Schiff Mariposa bald danach auf die Route USA-Alaska wechselte. Wolfgang Iten hingegen trat kurz nach seiner Ankunft in San Francisco der amerikanischen Armee bei, aus der er jedoch bereits nach einem Jahr unehrenhaft entlassen wurde, angeblich wegen Untauglichkeit. Dabei kann es sich jedoch nicht um Unfähigkeit in seinem Beruf gehandelt haben, denn er war auch später noch als Schmied tätig: Laut World War One Draft Card im Bay Shore Shop und laut der Volkszählung von 1920 bei der Eisenbahn. Dies stärkt  meine Vermutung, dass er in Ohakune ebenfalls als Schmied bei der Eisenbahn tätig war.

 

Dieser Fall zeigt wieder einmal, dass man in der Ahnenforschung immer alle Möglichkeiten in Betracht ziehen sollte, sonst bleiben gerade die interessantesten Begebenheiten im Verborgenen.

 

Quellen:

 

Die Passagierliste von Bremen nach Sydney konnte ich noch nicht finden, nur die Ankunft in Sydney.

Diese Schiffsreise mit prominenten Gästen wird auch in australischen Zeitungen mehrmals erwähnt.

 

Die Passagierliste von Sydney nach Wellington ist ebenfalls nicht auffindbar / nicht online einsehbar.

Deshalb kenne ich weder den Zeitpunkt dieser Reise noch den Namen dieses Schiffes.

 

Die Passagierliste von Wellington nach Papeete/Tahiti ist bei familysearch einsehbar.

Passagierliste von Papeete/Tahiti nach San Francisco siehe ebenfalls bei familysearch.

 

Militärdienst 1910/1911 und Draft Registration Cards von beiden Weltkriegen

sowie Volkszählungen von 1920 und 1930, siehe ebenfalls bei familysearch.

 

Zur Geschichte von Ohakune gibt es einige interessante Websites sowie Zeitungsartikel.

Auch zu der Reiseroute via Tahiti und den Schiffen gibt es interessante Zeitungsartikel.

 

Zeitungen von Kalifornien

https://cdnc.ucr.edu/cgi-bin/cdnc

 

Zeitungen von Amerika

http://chroniclingamerica.loc.gov/

 

Zeitungen von Australien

http://trove.nla.gov.au/newspaper/

 

Zeitungen von Neuseeland

https://paperspast.natlib.govt.nz/

 

Weitere Links zur Suche in

Australien und Neuseeland

 

John Otto Bossart in Alaska und Nevada

Obiger Wolfgang Iten von Unterägeri hat in Kalifornien eine Anna Bossart aus Zug geheiratet. Inzwischen habe ich auch die Passagierliste der Einwanderung von Anna und ihrem Bruder gefunden.

Sie reisten auf dem Schiff La Provence am 11. Oktober 1913 von LeHavre ab und kamen am 18. Oktober 1913 in New York an. Anna Bossart gab als nächsten Angehörigen in der Schweiz ihren Vater Kaspar Bossart in Zollikon an, ihr Bruder John Otto Bossart gab einen Bruder namens Alfred Bossart in Zug an. Als Reiseziel und Kontakt in den USA nannten beide einen Onkel oder Cousin J. B. Meienberg in San Jose, Kalifornien.

 

John Otto Bossart war zum Zeitpunkt des World War One Drafts in Kantishna, Nenana, Alaska, offenbar als Goldsucher beschäftigt. Als nächste Angehörige nannte er Anna Bossart in Oakland, Alameda, Kalifornien. Bei den Volkszählungen 1930 und 1940 arbeitete er in einem Kupfer-Bergwerk in Kimberly, White Pine, Nevada. Aus dem Census von 1940 geht allerdings auch hervor, dass er 1935 in Fort Jones, Siskiyou, Kalifornien gewesen sein soll, wo Wolfgang Iten und Anna Bossart wohnten. John Otto Bossart, geboren am 31.10.1879, ist am 03.01.1964 in Oroville, Butte County, Kalifornien gestorben und auf dem Old Oroville Cemetery bestattet worden.

 

Das grosse Goldfieber begann in Kantishna, Alaska (in der Nähe des Mount McKinley) in den Jahren 1904 und 1905, danach schwächte es sich schnell wieder ab. Es wurden jedoch auch Vorkommen von Silber, Kupfer und anderen Metallen entdeckt und abgebaut. An anderer Stelle habe ich bereits über Anton Dominik Iten berichtet, der zwischen 1910 und 1920 ebenfalls in Kantishna, Nenana, Alaska war.

 

https://en.wikipedia.org/wiki/Kantishna,_Alaska

https://www.nps.gov/articles/kantishna-gold.htm

 

Kimberly, White Pine, Nevada (Kupfer-Bergwerk)

http://www.ghosttowns.com/states/nv/kimberly.htm