Schiffsreise über den Atlantik

Anfangs des 19. Jahrhunderts fanden Reisen über den Atlantik auf Zwischendecks in Frachtschiffen statt. Zu den Reisebedingungen gehörten schlechte hygienische Versorgung, unzureichende Belüftung, ungenügende Verpflegung. Mit einem Segelschiff dauerte die Überfahrt etwa acht bis zwölf Wochen. Mit den ersten Dampfschiffen dauerte sie nur noch etwa zwei Wochen. Zunächst waren aber Plätze auf den Dampfern für die meisten Auswanderer zu teuer. 1870 waren 80% aller Schiffe Dampfer und die Reisekosten waren inzwischen auch gesunken.

 

Der Postdampfer "Persia" der am 15. August abends mit Briefen aus New York vom 6. August 

in England eintraf, hat die Überfahrt in 8 Tagen, 23 Stunden und 30 Minuten gemacht, eine Geschwindigkeit, welche alle früheren Leistungen in diesem Fach überflügelt.

Nürnberg-Fürther neuste Nachrichten, Mittelfränkische Zeitung, Fränkischer Kurier, 1856.

 

Bei so viel Verkehr auf der Passage Nordeuropa-Nordamerika blieben auch schwere Unfälle nicht aus. Das grösste Unglück war die Kollision des deutschen Auswandererschiffes "Cimbria" mit dem britischen Dampfer "Sultan". Die "Sultan" rammte die "Cimbria" im rechten Winkel, worauf die eine Seite der "Cimbria" aufriss und das Schiff in Seitenlage geriet. Dies führte innerhalb von 15 Minuten zum Untergang der "Cimbria", wobei der grösste Teil der Passagiere und der Besatzung ums Leben kam.

 

 

 

Reiseweg Glarus-Rapperswil-Zürich-Basel-Le Havre

 

Die direkteste Route auf dem Rhein führte zum Hafen in Rotterdam, doch Holland erschwerte die Einreise. Da auch Bremen und Hamburg versuchten Auswanderer fernzuhalten, blieb für die Schweizer nur noch der Hafen in Le Havre übrig. Die Reise von Basel nach Le Havre auf dem Landweg via Paris und Rouen dauerte in den 1840er Jahren 30 Tage. Mitte der 1840er Jahre verringerte sich die Reisedauer mit der Eilpostverbindung ab Mühlhausen auf weniger als eine Woche. In Le Havre kam es meist zu mehreren Wochen Wartezeit, bis man ein Schiff betreten konnte. Die Schiffsreise über den Atlantik dauerte damals 8-10 Wochen und fand auf sehr engem Raum statt. 100 bis 200 Personen reisten im zehn Meter breiten und 30 Meter langen Zwischendeck.

 

Quelle: Walter Hauser, Bitterkeit und Tränen, Limmat Verlag, Zürich 1995

Szenen der (Amerika) Auswanderung aus dem Tal der Linth und die

Ausschaffung des heimatlosen Samuel Fässler nach Amerika.

 

 

Reiseweg und Dauer Schweiz-Brasilien und umgekehrt

 

1836/37: 15.10. Abfahrt der „Actif“ in Rio und 29.11. Ankunft Frankreich, insgesamt 45 Tage

1839: 14.06. Brief verfasst in Rio de Janeiro, via Schiff nach Le Havre und Postkutsche in

81 Tagen nach St. Gallen. 1848: 25.01. Brief in St. Gallen aufgegeben, 29.01. Boulogne,

Frankreich, 18.03. Rio de Janeiro, 52 Tage.

 

Dauer der Schiffsreisen von Rio de Janeiro nach Le Havre 1836-1851: Auf 51 verschiedenen Segelschiffen wurden 112 Briefe von Rio de Janeiro via Le Havre in die Schweiz gesandt. Die durchschnittliche Dauer der Briefpost zwischen Rio und Le Havre betrug in dieser Zeit 66 Tage.

 

 

Auf der Strecke Frankreich-Brasilien eingesetzte Schiffstypen

 

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Dreimaster Segelschiffe, dann von den Klippern abgelöst.

Klipper „France-et-Brésil“, Ligne des Chargeurs, 1. Fahrt August 1848, Reisedauer ca. 50 Tage.

Klipper "Impératrice-du-Brésil" 1850 Schnelligkeitsrekord Strecke Le Havre-Rio in 31 Tagen. 

 

Quelle: Urs Alfred Müller-Lhotska, Jakob Laurenz Gsell 1815-1896

Vom Unternehmer in Rio de Janeiro zum Bankier in St. Gallen.

Verlag Neue Zürcher Zeitung Zürich 2008

 

 

Reise von der Schweiz nach Ecuador im Jahre 1888

 

19.06.1888 Mit der Eisenbahn nach Basel, von dort zum Hafen in Le Havre, Frankreich.

22.06.1888 Abfahrt mit dem Schiff "Labrador". Die Reise bis Colon dauert 25 Tage.

17.07.1888 Bahnfahrt Colon-Panama, von dort mit englischem Schiff weiter.

03.08.1888 Ankunft im Kleinhafen Manta in Ecuador.

 

Quelle: Wer aus der Liebe lebt. Mutter Maria Bernarda Bütler

 

 

Negative Erlebnisse auf der Reise und bei der Ankunft

 

In Zeitungen der damaligen Zeit findet man auch oft Berichte über Auswanderungen, darunter

auch solche von ernüchternden Erlebnissen auf der Reise und bei der Ankunft. So zum Beispiel

diesen Bericht eines Russlanddeutschen, der nach Brasilien ausgewandert war. Erschienen ist

dieser Bericht in "Rigasche Rundschau" vom 01.05.1907. Die Reiseroute führte von Riga nach

Gent, von Antwerpen via London nach Cherbourg, von dort über den Atlantik nach Sao Paulo.

 

http://www.periodika.lv/periodika2-viewer/view/index-dev.html#panel:pp|issue:/p_001_riru1907n99|page:7|issueType:P

 

 

Diverse Berichte über Reisen über den Atlantik, die Zustände auf den Schiffen sowie die

Quarantäne bei der Ankunft in Ellis Island in New York können Sie hier nachlesen:

http://www.norwayheritage.com/articles/templates/Voyages_Reiser.asp?articleid=93&zoneid=23

 

Diverse Berichte über Schiffsunglücke und -untergänge finden Sie hier:

http://www.norwayheritage.com/articles/templates/Ships_Voyages_Disasters.asp?articleid=13&zoneid=16

http://www.theshipslist.com/ships/Wrecks/index.htm

 

Beschreibungen und Geschichte der Schiffe vieler Reedereien in Deutschland, Grossbritannien usw.

http://www.theshipslist.com/ships/descriptions/index.htm

http://www.theshipslist.com/ships/lines/index.htm

 

 

Ich habe auch die Geschichte der Schiffe erforscht, mit denen meine Vorfahren

ausgewandert sind. Es sind dies die "France", "La Touraine" und "La Lorraine".

 

France (Rosette Letter)

 

Erbaut von Chantiers de Penhoet, in St. Nazaire, Frankreich, 1912.
23'666 Tonnen, 713 Fuss lang, 75 Fuss breit. Vier Kamine und zwei Masten.
Dampfturbinenmotoren, vierfach Schraube, Geschwindigkeit 24 Knoten.
2026 Passsagiere (534 in 1. Klasse, 442 in 2. Klasse, 1050 in 3. Klasse)
Erbaut für French Line, Französische Flagge, 1912 und erhielt den Namen France.

Die Jungfernfahrt fand fünf Tage nach dem Untergang der Titanic statt.
War im Einsatz auf der Strecke Le Havre-New York. Im 1. Weltkrieg als Hilfs kreuzer, Truppentransporter und Marinehospital im Dienst. Danach wieder im Einsatz für

Trans-Atlantik-Fahrten bis 1932. Verschrottet in Dunkirk 1935.

 

Weitere interessante Details zum Schiff La France bei frenchlines:

http://www.frenchlines.com/ship_fr_177.php

 

 

La Touraine (Dominik Letter)

 

Erbaut von Chantiers de Penhoet, in St. Nazaire, Frankreich, 1891. 9047 Tonnen, 520 Fuss lang, 56 Fuss breit. Vier Kamine und drei Masten, 1902 reduziert auf zwei Masten. Dampfmotor, zweifache Schraube, Geschwindigkeit 19 Knoten. 1090 Passagiere (392 in 1. Klasse, 98 in 2. Klasse, 600 in 3. Klasse) Erbaut für French Line, Französische Flagge, 1891 und erhielt den Namen La Touraine. War im Einsatz auf der Strecke Le Havre-New York. 1923 benutzt als schwimmendes Hotel in Göteborg (Schweden) anlässlich einer Ausstellung. Dazu wurde sie umbenannt in Maritime. Sie wurde noch im gleichen Jahr verschrottet.

 

Weitere interessante Details zum Schiff La Touraine bei frenchlines:

http://www.frenchlines.com/ship_fr_276.php

 

 

La Lorraine (Joseph Anton Iten)

Erbaut von der Compagnie Générale Transatlantique, St. Nazaire, Frankreich, 1899. 11'146 Tonnen, 580 Fuss lang, 60 Fuss breit. Zwei Kamine, zwei Masten. Dampfmotor, zweifache Schraube, Geschwindigkeit 21 Knoten. 1114 Passagiere (446 in 1. Klasse, 116 in 2. Klasse, 552 in 3. Klasse) Erbaut für French Line, Französische Flagge, in 1899 und erhielt den Namen La Lorraine. War im Einsatz auf der Strecke Le Havre-New York. Im 1. Weltkrieg diente sie unter dem Namen Lorraine II als bewaffneter Handelskreuzer. Ab 1917 wieder unter ihrem ursprüng lichen Namen für Truppentransporte benutzt. Ab 1919 wieder im Einsatz für Trans-Atlantik-Fahrten. Verschrottet im Jahr 1923.

 

Weitere interessante Details zum Schiff La Lorraine bei frenchlines:

http://www.frenchlines.com/ship_fr_263.php

 

 

Homeric (Johann Joseph Iten)

Erbaut von Schichau Shipyard, Danzig, Deutschland, 1913. 34'351 Tonnen, 774 Fuss lang, 82 Fuss breit. Zwei Masten und zwei Kamine. Dampfmotor, zweifache Schraube. Geschwindigkeit 19 Knoten. 2766 Passagiere (529 in 1. Klasse, 487 in 2. Klasse, 1750 in 3. Klasse). Erbaut für North German Lloyd, deutsche Flagge, in 1913 und erhielt den Namen Columbus. 1919 ging das Schiff an Grossbritannien. Es wurde an die White Star and Dominion Line verkauft und wurde umbenannt in Homeric. Es fuhr zwischen Southampton und New York und wurde 1936 in Schottland verschrottet.