Geschichte des Ägeritales

Oberägeri - Schlachten, Kirchenbau und Pilgerwege

Oberägeri war die erste Gemeinde im Ägerital (erstmals im 10. Jh. schriftlich erwähnt) und ist heute flächenmässig die grösste Gemeinde im Kanton Zug. Zu Oberägeri gehören nämlich auch Morgarten/Hauptsee (bekannter Schlachtort) und der Weiler Alosen an der Strasse über den Raten. Von der Passhöhe aus kann man einen kleinen Spaziergang zur Kapelle St. Jost machen, die 1701 geweiht wurde. Auf der anderen Seite des Ratens grenzt Oberägeri mit dem Ägeriried an das bekannte Moorgebiet von Rothenturm. Früher gehörte auch Unterägeri, damals noch Wylägeri genannt, zu Oberägeri.

 

Die Schlacht bei Morgarten fand am 15.11. im Jahre 1315 statt. Herzog Leopold von Österreich verlor gegen die Waldstätter, die sich im hügeligen Gelände besser auskannten und sich wendiger bewegen konnten als die berittenen Soldaten in ihren Rüstungen. An die Schlacht bei Morgarten erinnert heute noch ein grosses Denkmal in der Nähe des Restaurants Buechwäldli.

 

Allerdings ist es nicht sicher, ob die Schlacht genau dort stattgefunden hat. Es gibt Thesen, nach denen der Schlachtort weiter Richtung Sattel im Gebiet Schorneren gewesen sein soll. Dort befindet sich auch die Schlachtkapelle mit einem imposanten Gemälde an der Fassade. Auf der anderen Strassenseite erhebt sich noch der alte Letziturm, der jedoch erst einige Jahre nach der Schlacht erbaut worden ist.

 

Zu den ältesten Gebäuden in Oberägeri gehören das Pfrundhaus (1425) und das Zurlaubenhaus (1574). Die Pfarrkirche von Oberägeri ist St. Peter und St. Paul geweiht und enthält ein uraltes Lamm Gottes. Der Chor stammt noch aus dem Vorgängerbau von 1492, zwei der früheren Altarflügel befinden sich im Landesmuseum. Das Beinhaus St. Michael wurde 1496/97 erbaut und hat gotische Wandmalereien. Speziell an der Pfarrkirche sind die Fenster, die alle mit Familienwappen bemalt sind. Als eines der sieben ältesten Geschlechter in Oberägeri fehlt auch das Wappen der Familie Iten nicht.

 

Bei der Kirche fliesst der Dorfbach vorbei, der früher mehrmals über die Ufer trat. Eine Gedenktafel vor der Kirche erinnert an das letzte grosse Unglück dieser Art. Da früher viele Pilger auf dem Weg nach Einsiedeln nach Oberägeri kamen, gab und gibt es dort sehr viele Restaurants. Auffällig ist dabei, dass die meisten einen Tiernamen tragen, vor allem diejenigen im Dorfkern.

 

Auch in Oberägeri findet die Fasnacht noch nach alten Bräuchen statt und verläuft ähnlich wie in Unterägeri. Speziell ist, dass der Umzug hier jeweils um 13:15 Uhr beginnt, als Erinnerung an das Jahr der Schlacht bei Morgarten. Zudem soll die hiesige Fasnachtsfigur, der Legor, auf einen Hofnarren zurückgehen, der damals seinen Herrn in die Schlacht begleitete. Dieser Hofnarr ist übrigens auch auf dem weiter oben erwähnten Gemälde an der Fassade der Kapelle zu sehen. Der Weiler Alosen organisiert übrigens einen eigenen Fasnachts-Umzug mit Bühnenspiel.

 

 

Unterägeri - Sägewerke, Spinnereien und Kurgebiet

Unterägeri liegt am unteren Ende des Ägerisees, zu Füssen des Rossberges und des Zugerberges. Es wurde früher Wylägeri genannt und war ein Bauerndorf mit einigen Handwerkern. Auch der Wald wurde genutzt, wobei das Holz von der anderen Seite des Sees geflösst werden musste. Seit 1714 ist Unterägeri eine eigene Pfarrei und seit 1814 eine eigene Gemeinde (vorher Teil von Oberägeri). Die Marienkirche wurde 1721 geweiht und 1978 restauriert. Die neugotische Pfarrkirche wurde von 1857 bis 1860 erbaut.

 

Unterägeri gehört zum Kanton Zug, war aber von Zug her lange Zeit nicht erschlossen. Erst als es gelang, das Lorzentobel zu überbrücken, führte eine Strasse direkt von Zug nach Unterägeri. Mit dem öffentlichen Verkehr konnte man Unterägeri ab dem 27.04.1913 per Tram erreichen. Am 22. Mai 1955 wurde die Tramlinie eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt. Die Haupthaltestelle im Dorf wurde noch bis zu ihrem Abrisss vor wenigen Jahren von vielen Leuten Bahnhof genannt.

 

Vom Rossberg her fliesst der Hüribach zum Ägereisee. Im Hürital befinden sich viele Bauernhöfe, aber auch drei Sägewerke. Eines davon gehörte meinem Urgrossvater, deshalb wurde er auch Sager Fränzeli genannt. Mit der Inbetriebnahme einer Spinnerei an der Lorze kam die Industrialisierung auch ins Ägerital. Weiter unten am gleichen Fluss gab es bald eine zweite Spinnerei. Darum herum wurden einige Wohnhäuser für die Arbeiter erbaut, so entstand die Siedlung Neuägeri.

 

Später wurde Unterägeri auch national bekannt als Kurort, speziell für lungenkranke/tuberkulöse Kinder. Für die Kurgäste wurden auch einige Parks gestaltet, zum Beispiel oberhalb der damaligen Klinik St. Anna. Heute ist nicht mehr viel zu sehen von diesem Park, vielmehr findet man dort ein kleines Wäldchen. Am Standort der ehemaligen Klinik St. Anna stehen heute Alterswohnungen. In Unterägeri gibt es auch ein Altersheim, allerdings befindet sich dieses ausserhalb des Dorfes auf einem kleinen Hügel. Es wird „Chlösterli“ genannt, denn früher stand dort tatsächlich ein kleines Frauenkloster.

 

Den früheren Namen Unterägeris findet man noch im Namen der Fasnachtsgesellschaft „Wylägerer Narrenfasnacht“. Diese wird noch immer mit einigen alten Figuren (Badjöggel und Nüssler) und Bräuchen durchgeführt: Nach dem Umzug gibt es ein Bühnenspiel, die Kinder erhalten ein Paket mit Esswaren, auf dem Dorfplatz werden Orangen ausgeworfen und die Nüssler verteilen Brote, die sie an ihren Besenstielen befestigt haben.

 

Tradition hat auch der „Ägerimärcht“, ein grosser Jahrmarkt im Dorfkern, der jeweils am ersten Wochenende im September stattfindet. Auf der Hauptstrasse (vom Busbahnhof bis zur Lidostrasse) und auf der Oberdorfstrasse reihen sich die diversen Stände aneinander. Auf dem alten Pausen- bzw. Turnplatz (heute Parkplatz bei der Kirche) befindet sich dann jeweils der Lunapark.